Oft vergessen: Elektromagnetische Felder und deren Wirkung auf den Menschen

Welche weltweiten Anforderungen es gibt

Zunächst mal eine Einordnung: Es geht nicht um Elektromagnetische Verträglichkeit wie in der EMV-Richtlinie gefordert. Diese bezieht sich ausdrücklich auf Elektromagnetische Wellen mit Ihren Auswirkungen zwischen elektrischen und elektronischen Geräten. Insbesondere sollen die EMV-Grenzwerte zur Störaussendung (Emission) seit vielen Jahrzehnten sicherstellen, dass der Rundfunk-Empfang sichergestellt wird.

Seit 1972 musste sich die Automobilindustrie dem ebenfalls unterordnen und ihre Fahrzeuge entsprechend entstören. Diese Normen stammen von CISPR. CISPR: „Internationales Sonderkomitee für Funkstörungen“ wurde bereits 1934 in Genf gegründet und ist seit vielen Jahrzehnten ein Teil von IEC. Die CISPR-Normen sind auch als EN 550XX in der EU bekannt.

In diesem Artikel soll es um die Auswirkung bzw. Begrenzung der elektromagnetischen Felder auf den Menschen gehen und die damit verbundenen Anforderungen an Geräten. Die führende Institution auf diesem Gebiet ist die „International Commission On Non-Ionizing Radiation Protection“ (ICNIRP) https://www.icnirp.org/. Die offizielle Gründung mit dem heutigen Namen erfolgte 1992, wobei die Vorgänger-Organisationen sich schon seit 1973 mit dem Thema beschäftigen. Der Treiber Mobilfunk hat viel beschleunigt. Die Empfehlung der ICNIRP von 1998 wurde mit kleinen Änderungen nahezu weltweit in die nationalen Gesetzgebungen aufgenommen. Die letzte größere Veröffentlichung 

„RF EMF Guidelines 2020“ Titel: „Guidelines for limiting exposure to electromagnetic fields (100 kHz to 300 GHz)“ ist das letzte große Update, dessen Empfehlungen sich langsam in den internationalen Gesetzgebungen und Normen widerspiegeln. 


Kommen wir nun zum praktischen Teil.
Elektrische Geräte (ohne Funk)
Europa
Elektromagnetische Felder im Rahmen der Niederspannungsrichtlinie 2014/30/EU
In der Liste der harmonisierten Normen finden sich Produktnormen für 

  • Schweißgeräte (EN 50445),
  • Leuchten (EN 62493),
  • Haushaltsgeräte (EN 62233) 

Hinzu kommt der „generische Standard“ für alle elektrischen Geräte, die keinen Produktstandard haben:
EN 62311:2020 (gelistet ist die 2008er Version)
     Assessment of electronic and electrical equipment related to human exposure 
     restrictions for electromagnetic fields (0 Hz - 300 GHz)

Für Low power Devices gibt es weitere Normen.

Fällt das Produkt, zum Beispiel wegen Batteriebetrieb, aus der Niederspannungs-Richtlinie heraus, ist man nicht befreit von diesen Anforderungen, denn die Niederspannungsrichtlinie, mit den oben genannten Normen, setzt nur das um, was ohnehin von der 1999/519/EG: Empfehlung des Rates vom 12. Juli 1999 zur Begrenzung der Exposition der Bevölkerung gegenüber elektromagnetischen Feldern (0 Hz - 300 GHz)

gefordert wird. Hinweis: Diese Empfehlung enthält maximal zulässige Feldstärken und ist in der EU einzuhalten.

Diese EU-Empfehlung basiert auf der Empfehlung von 1998 von ICNIRP.

Jeder Betrieb eines elektrischen Gerätes muss dieser Empfehlung entsprechen. 

Hinweis: 2013 kam eine weitere EU-Richtlinie heraus, die sich mit dem Schutz von Arbeitnehmern vor elektromagnetischen Feldern beschäftigt.

Fazit:
Produziere ich ein elektrisches Gerät, so muss sichergestellt sein, dass durch den Betrieb die oben angesprochenen Grenzwerte nicht überschritten werden.


Funkgeräte

Alle Personen oder Firmen, die sich mit Funkgeräten beschäftigen, kommen nicht an diesem Thema vorbei und kennen sich in der Regel damit aus. Daher hier nur ein paar besondere Aspekte:

Canada

Hier gibt es aus meiner Sicht die detailreichsten Vorgaben von der Simulation über Messung bis hin zum Nerven-Stimulation-Test. Die RSS-102 Spezifikationen (7 Stück aktuell) sind unter dem folgenden Link zu finden:

https://ised-isde.canada.ca/site/spectrum-management-telecommunications/en/devices-and-equipment/radio-equipment-standards/radio-standards-specifications-rss

Europa Funkgeräte

In Europa ist die Auswirkung von direkt am Körper gehaltenen und getragenen Funkgeräten das Thema, das zurzeit mit den folgenden beiden Europäischen Normen verfolgt wird:

“EN 50360:2017 +A1:2023
     Product standard to demonstrate the compliance of wireless communication devices,
     with the basic restrictions and exposure limit values related to human exposure to
     electromagnetic fields in the frequency range from 300 MHz to 6 GHz: devices used
     next to the ear …”

“EN 50566:2017 +A1:2023 +A2:2025
     Product standard to demonstrate the compliance of wireless communication devices
     with the basic restrictions and exposure limit values related to human exposure to
     electromagnetic fields in the frequency range from 30 MHz to 6 GHz: hand-held and
     body mounted devices in close proximity to the human body …”

Die neuen Anhänge der beiden Normen zeigen Bewertungen und Messverfahren für besonders kleine Abstände zwischen Gerät und Körper, die bisher von den Normen nicht adressiert waren. Hier ist mit weiteren Änderungen zu rechnen.

Auch IEC-Normen werden entsprechend weiterentwickelt.

Für alle elektrischen Produkte mit oder ohne Funk sind immer die elektromagnetischen Felder in Bezug auf den Menschen zu beachten. Die Praxis zeigt, dass es oft vergessen wird.

Wir halten Sie auf dem Laufenden und stehen Ihnen für weitere Details gern zur Verfügung.


Autor

Dipl.-Ing. (FH) Torsten Sahm
Senior Product Compliance Consultant
 




BEGRIFFE UND ABKÜRZUNGEN
 

EMV: Elektromagnetische Verträglichkeit 

CISPR: Comité international spécial des perturbations radioélectriques

Veröffentlicht am 10.02.2026
Kategorie: Fokus Industry, Fokus Electrical and Wireless, Insider-Compliance, Compliance

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